Stoltebüll, 9. Januar 2026
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
mein Name ist Christoph Neuhaus, ich wohne mit meiner Familie im Vogelsangholz in Stoltebüll. Ich wende mich heute in einer Angelegenheit an Sie, die uns alle direkt betrifft und die ich mit großer Sorge und – ich sage es offen – mit erheblicher Konsternierung verfolge: die offenbar geplante Errichtung eines Windparks im Holmkjer in Stangheck.
Die Faktenlage
- Landesplanung: Die aktuelle Neuaufstellung der Windplanung des Landes Schleswig-Holstein hat diese Fläche als nicht geeignet eingestuft – ebenso wie bereits in der 2024 aufgehobenen vorherigen Planung. Die fachliche Bewertung ist eindeutig.
- Bürgerwille: Im Jahr 2015 fand in Stangheck eine Bürgerbefragung statt, bei der sich die Bürgerinnen und Bürger mit deutlicher Mehrheit gegen einen Windpark ausgesprochen haben. In der Folge wurde das Gebiet zum Sperrgebiet erklärt.
- Aktuelle Entwicklung: Im Oktober 2025 erhielt eine besorgte Mitbürgerin ein Schreiben von Bürgermeister With, das offenbart, dass der Gemeinderat diese Pläne offenbar befürwortet – und zwar einstimmig, ohne eine einzige Gegenstimme.
Meine zentrale Frage: Wie kann das sein?
Wie ist es möglich, dass ein demokratisch gefasster Bürgerbeschluss, eine klare Willensbekundung unserer Gemeinde, nach zehn Jahren einfach ignoriert wird? Dass ein Sperrgebiet still und heimlich aufgehoben wird, ohne die Bürgerschaft angemessen einzubeziehen? Dass kein einziges Mitglied des Gemeinderates den Mut hatte, gegen diese Pläne zu stimmen?
Ich bin mir bewusst, dass dies rechtlich möglicherweise zulässig ist. Aber es ist in meinen Augen ein Affront gegen die demokratische Kultur unserer Gemeinde und gegen jeden Anstand gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern, die hier leben, investiert haben und deren Vertrauen missbraucht wird.
Die wirtschaftliche Dimension
In besagtem Schreiben wird offen zugegeben, dass es primär um finanzielle Interessen der Gemeinde geht – konkret um die Finanzierung des Gemeindehauses. Ich habe vollstes Verständnis dafür, dass Gemeinden vor finanziellen Herausforderungen stehen. Aber die gewählte Lösung ist unverhältnismäßig und destruktiv.
Studien belegen, dass Immobilien in Windparknähe Wertverluste von bis zu 30 % erleiden können. Nehmen wir konservativ an, dass 20 Haushalte direkt betroffen sind, mit einem durchschnittlichen Immobilienwert von 450.000 Euro. Das entspricht einer Wertvernichtung von 2,7 Millionen Euro – nur bei den direkt Betroffenen.
Rechnet man weitere betroffene Immobilien hinzu, bewegen wir uns vermutlich im zweistelligen Millionenbereich.
Alternative Lösungen gibt es
Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, wie Gemeinden ihre Finanzen nachhaltig stärken können: die Ansiedlung von Unternehmen durch attraktive Bedingungen, Kooperationen mit Nachbargemeinden, kreative Zweitnutzungskonzepte für kommunale Gebäude oder die gezielte Ansprache von Investoren.
Naturschutz – unsere Verantwortung für kommende Generationen
Keine zwei Kilometer Luftlinie entfernt liegt das Naturschutzgebiet Stoltebüll/Grimsau – ein wertvoller Küsten- und Marschlandbereich mit Feuchtgebieten, Salzwiesen und wichtigen Brutgebieten für Wasservögel.
Ein Windpark im Holmkjer würde nicht nur die Lebensqualität der Anwohner und den Wert ihrer Immobilien gefährden, sondern auch empfindliche Ökosysteme.
Was mich besonders beunruhigt
Der Schlusssatz des Briefes von Herrn With bringt die Haltung auf den Punkt: Bürger werden gebeten, sich mit ihren Fragen direkt an den Windparkbetreiber zu wenden.